Villeroy & Boch
Die Villeroy & Boch AG ist ein Hersteller von Keramikerzeugnissen und hat ihren Sitz im saarlĂ€ndischen Mettlach. Der Firmenname basiert auf den Nachnamen der UnternehmensgrĂŒnder Francois Boch und Nicolas Villeroy. Bereits seit ĂŒber 250 Jahren existiert das Unternehmen, das sich bis heute zum GroĂteil in Familienbesitz befindet.
Die Geschichte von Villeroy & Boch
Die GrĂŒndung von Villeroy & Boch erfolgte im Jahr 1948. Francois Boch, ein EisengieĂer, begann gemeinsam mit seinen drei Söhnen in Lothringen mit der Produktion von Keramikwaren, Das Hauptaugenmerk lag dabei auf der Herstellung von Geschirr. Aufgrund der schnell ansteigenden Nachfrage begann man bereits 1767 mit der Expansion und der Serienproduktion von Keramik nahe der Festung Luxemburg. 1770 entstand das berĂŒhmte Brindille-Dekor, das bis heute vertrieben wird und seit dem 20. Jahrhundert unter dem Namen âVieux Luxembourgâ bekannt ist.
Nicolas Villeroy grĂŒndete in Vaudrevange eine Steingutfabrik im Jahr 1791. ZunĂ€chst war Villeroy ein Konkurrent des Boch-Betriebes, da er es unter anderem schaffte, das Porzellan mit Kupferstichen zu bedrucken und die Serienproduktion damit voranzutreiben. Erst 1836 schlossen sich die beiden Unternehmer zusammen und grĂŒndeten die Firma âVilleroy & Bochâ. Dadurch gelang es ihnen, weit ĂŒber die regionalen Grenzen hinaus Bekanntheit zu erlangen und schon wenig spĂ€ter auch den europaweiten Markt zu erschlieĂen. 1843 entstand das erste gemeinsame Werk in Wadgassen im Saarland, eine Cristallerie, in der bis heute Glas hergestellt wird. Nur drei Jahre spĂ€ter wurde die Trockenpressung zur Fliesenherstellung entwickelt, die bis heute als Verfahren angewandt wird. Der Markt von Villeroy und Boch weitete sich immer weiter aus, sodass schon bald Frankreich, die Schweiz, Polen und England von dem Unternehmen beliefert wurden.
Die 50-er Jahre des 19. Jahrhunderts bestachen durch weitere Innovationen und groĂe technologische Fortschritte. Hochwertigeres Porzellan wurde geschaffen, Bodenfliesen mit eingelegtem Muster (âMettlacher Plattenâ) entworfen, weniger spĂ€ter auch der Feuerton. Weltweit wuchs die PopularitĂ€t des Unternehmens Villeroy und Boch. Waren wurden nach ganz Europa geliefert, sowie nach Nord- und SĂŒdamerika.
Im Jahr 1879 kam ein weiteres Keramikwerk in Merzig, Saarland, hinzu. Schon bald war diese Werk das weltweit gröĂte fĂŒr Bodenfliesen. Ende des 19. Jahrhunderts begann man bei Villeroy und Boch auĂerdem mit der GroĂserienproduktion von SanitĂ€rkeramik, Badewannen, Toiletten und SpĂŒlbecken. Durch die hohe Produktionszahl konnten sich nun auch Ă€rmere Bevölkerungsschichten modern eingerichtete Badezimmer leisten. WĂ€hrend des Ersten Weltkrieges herrschte eine Produktionspause. Erst 1920 ging es weiter bergauf, als Villeroy und Boch Fabriken in Bonn und in der NĂ€he von Breslau erwarben und dort die Produktion wieder aufnahmen. Im Saargebiet wurde unterdessen fĂŒr den französischen Markt produziert. Der Zweite Weltkrieg brachte wiederum Probleme mit sich. Einige Fabriken in Deutschland wurden völlig zerstört. Erst mit Ende der 50-er Jahre konnte die Porzellanherstellung wieder vollstĂ€ndig aufgenommen und von da an weiter ausgebaut werden. In den Folgejahren trieb man bei Villeroy und Boch die Expansion weiter voran, so dass schon 1971 bis nach Japan ausgeliefert wurde. Bekannte Designer, wie beispielsweise Luigi Colani, wurden mit den EntwĂŒrfen fĂŒr Keramikprodukte betraut.
Anfang der 1980-er Jahre erhielt das Unternehmen neue Strukturen. Die Entwicklung wurde zentralisiert und stĂ€rker koordiniert. Die Produkte wurden in die Sparten âFliesenâ, âSanitĂ€râ und âGeschirr / Kristallâ unterteilt und verkauft. Das Sortiment wurde um Wannen und Duschen erweitert.
badewanne-villeroy-bochIn den 90-er Jahren trat Villeroy und Boch an die Börse. Einige kleine Hersteller wurden aufgekauft, das Warensortiment stetig erweitert. Von nun an wurden die Waren nur noch an ausgesuchte HĂ€ndler verkauft, Privatpersonen konnten auĂerdem an den firmeneigenen Outlet Shops in Mettlach, Wadgassen, LĂŒbeck und Torgau Artikel zweiter Wahl erwerben.
Der Bereich âFliesenâ wurde zum 1. Januar 2006 ausgegliedert und als eigenstĂ€ndige GmbH (V&B Fliesen GmbH) weitergefĂŒhrt. Von dieser GmbH wurden im Jahr 2007 51 Prozent an den Keramikhersteller VitrA verĂ€uĂert.
Immer wieder erfolgte bei der Villeroy & Boch AG die Zusammenarbeit mit namhaften KĂŒnstlern. Unter anderem wurden gemeinsam mit dem Maler Stefan Szczesny zahlreiche groĂe Projekte verwirklicht. Wie andere Unternehmen der Branche wurde auch Villeroy & Boch von der Finanz- und Wirtschaftskrise 2009 erfasst, wodurch der Aktienkurse dramatisch fiel. Ein erheblicher Stellenabbau in Deutschland und im Ausland war die Folge.
Bis heute zÀhlt Villeroy & Boch zu den bekanntesten Herstellern von Keramik- und Porzellanprodukten. Bahnbrechende Erfindungen wie wasserabweisendes Porzellan, antibakteriell wirkende Keramikbeschichtungen oder Fliesen mit LED Technik gehen auf das Konto das international beliebten Unternehmens.
